{"id":1310,"date":"2020-06-30T11:11:11","date_gmt":"2020-06-30T11:11:11","guid":{"rendered":"http:\/\/communio.pl\/?p=1310"},"modified":"2021-04-23T21:15:54","modified_gmt":"2021-04-23T21:15:54","slug":"versuchung-moraltheologische-geistliche-skizzen-temptation-moral-theological-and-spiritual-sketches-kuszenie-szkice-moralno-teologiczne-i-duchowe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/communio.pl\/?p=1310","title":{"rendered":"VERSUCHUNG: MORALTHEOLOGISCHE \u2013 GEISTLICHE SKIZZEN \/ TEMPTATION: MORAL THEOLOGICAL AND SPIRITUAL SKETCHES \/ KUSZENIE \u2013 SZKICE MORALNO \u2013 TEOLOGICZNE I DUCHOWE"},"content":{"rendered":"\n<h2>O. HERBERT SCHL\u00d6GEL OP<br>University of Regensburg, Germany<\/h2>\n\n\n\n<p>DOI: 10.48224\/COM-205-2019-54<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abstract<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Temptation is an existential and basic human disposition, which defies\nhuman beings to act bad despite realizing what is good. Theologically and\nbiblically this is connected with the evil, the devil, whom Joseph Ratzinger\ncharacterizes as the <em>Un-Person<\/em>. The\ntension between the evil, which approaches the human being from the outside and\nthe evil, which rises deep inside, is preserved within the term concupiscence.\nFrom an ethical point of view temptation consists in refusing to accept\nresponsibility. In accordance with spiritual tradition it is pointed to Jesus\u2019s\nword \u201ewatch and pray\u201c and the four cardinal virtues. Considering complex\nsituations also the \u201edistinction of spirits\u201c is an important help. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Keywords<\/strong>: Temptation, theology,\nSatan, evil, ethics, prayer, distinction of spirits.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Streszczenie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kuszenie jest\negzystencjaln\u0105 i podstawow\u0105 ludzk\u0105 sk\u0142onno\u015bci\u0105, kt\u00f3ra przeciwstawia si\u0119\nludziom, by post\u0119powali \u017ale, pomimo zdawania sobie sprawy z tego co jest dobre.\nTeologicznie i biblijnie wi\u0105\u017ce si\u0119 to ze z\u0142em, diab\u0142em, kt\u00f3rego Joseph\nRatzinger okre\u015bla jako <em>Nie-Osob\u0119<\/em>. Napi\u0119cie mi\u0119dzy z\u0142em, kt\u00f3re zbli\u017ca si\u0119\ndo cz\u0142owieka z zewn\u0105trz, a z\u0142em, kt\u00f3re daje pocz\u0105tek czego\u015b g\u0142\u0119boko w \u015brodku,\njest zachowane w ramach terminu po\u017c\u0105danie. Z etycznego punktu widzenia pokusa\npolega na odmowie przyj\u0119cia odpowiedzialno\u015bci. Zgodnie z tradycj\u0105 duchow\u0105\nwskazuje si\u0119 na s\u0142owo Jezusa \u201eczuwajcie i m\u00f3dlcie si\u0119\u201d oraz cztery cnoty\nkardynalne. Bior\u0105c pod uwag\u0119 skomplikowane sytuacje, wa\u017cn\u0105 rol\u0119 odgrywa r\u00f3wnie\u017c\n\u201erozr\u00f3\u017cnienie duch\u00f3w\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>S\u0142owa kluczowe:<\/strong> pokusa, teologia, szatan, z\u0142o, etyka, modlitwa,\nrozr\u00f3\u017cnienie duch\u00f3w.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer\nsich \u00fcber theologische Lexika dem Thema Versuchung n\u00e4hert, stellt fest, dass die\nbiblischen Aspekte relativ einheitlich bewertet werden. Das gilt auch f\u00fcr die\nInterpretation der Vaterunser-Bitte \u201eUnd f\u00fchre uns nicht in Versuchung\u201c. Denn\nkontrovers scheint ja nicht der exegetische Befund zu sein, sondern die in\nLiturgie und Gebet verwendete Fassung.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>\nWer unter theologisch\u2013ethischer Perspektive sich die Beitr\u00e4ge ansieht, nimmt\nwahr, dass ihm eine breite Palette theologischer Sachverhalte begegnet. Dies\ngilt in \u00e4hnlichem Ma\u00df f\u00fcr die ethischen Herausforderungen, die manchmal\n\u201eVersuchungen\u201c sind. Bei der Lekt\u00fcre der geistlichen Hinweise kann man wieder\neine gr\u00f6\u00dfere Einheitlichkeit sp\u00fcren. An dieser Stelle konzentrieren wir uns auf\neinige theologische, ethische und geistliche Gesichtspunkte, die deshalb als\nSkizzen gekennzeichnet werden, da ihre Auswahl subjektiv gepr\u00e4gt ist und einige\nder angesprochenen theologischen Begriffe ausf\u00fchrlicher betrachtet werden\nm\u00fcssten. Die drei Aspekte \u2013 theologisch, ethisch<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>\nund geistlich \u2013 sind eng verbunden, die Akzentsetzung ist unterschiedlich. Um\nmit einer Kennzeichnung der Versuchung zu beginnen: \u201eEs entspricht einer\numfassenden und existentiellen Erfahrung, da\u00df die Versuchung [\u2026] auf\nvielf\u00e4ltige Weise an den Menschen herantritt und ihn dazu bewegen will, der\nStimme des Egoismus, der Angst, des Macht- oder des Gewinnstrebens zu folgen\nund das in seinem Gewissen als gut Erkannte zu unterlassen, statt dessen das\nals schlecht Erkannte zu tun und sogar seine Glaubens\u00fcberzeugung preiszugeben.\u201c<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Theologische Bezugspunkte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei\nder theologischen Einordnung der Versuchung kommen verschiedene Aspekte und\nBegrifflichkeiten ins Spiel, die sich diesem nicht leicht fassbaren Ph\u00e4nomen\nn\u00e4hern. Dabei kann man auch eine Entwicklung beobachten. Diese betrifft vor\nallem die Frage, ob es \u201eM\u00e4chte\u201c gibt, die von au\u00dfen an den Menschen herantreten,\noder ob die Versuchung ein immanentes Geschehen ist, bzw. wie die Beziehung von\n\u201eau\u00dfen\u201c und \u201einnen\u201c ist. In der eben zitierten Kennzeichnung der Versuchung\nwird dies nicht n\u00e4her thematisiert, wenn von der \u201evielf\u00e4ltigen Weise\u201c\ngesprochen wird, in der die Versuchung an den Menschen herantritt. Das \u201eLexikon\nder christlichen Moral\u201c (1976) spricht ausdr\u00fccklich von verschiedenen M\u00e4chten,\ndie als \u201e<em>Versucher<\/em> des Menschen\u201c<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> in\nErscheinung treten. Genannt wird mit Verweis auf Bibelstellen als Versucher der\nTeufel, wobei festgehalten wird, dass er nicht auf derselben Ebene wie Gott zu\nfinden ist, sondern eine gesch\u00f6pfliche Macht ist, die durch eigene Entscheidung\ndazu gekommen ist. Weiter wird auf die <em>Welt<\/em>\nhingewiesen, die unter der \u201eMacht des B\u00f6sen (1 Joh 5,19) steht. Dabei geht es\nnicht um die Welt als Sch\u00f6pfung Gottes, sondern um die Welt, in der gegen Gott\nk\u00e4mpfende Kr\u00e4fte zum Tragen kommen. Aber Gott hat in Jesus Christus diese Form\nder <em>Welt <\/em>besiegt und von daher muss\nkeiner der Versuchung zum B\u00f6sen erliegen. Die Unterscheidung von Versuchungen,\ndie von au\u00dfen auf den Menschen zukommen, und Versuchungen von innen, die im\nMenschen selbst aufsteigen, ist den Theologen des Mittelalters gel\u00e4ufig, wobei\ndie Frage der S\u00fcndhaftigkeit unterschiedlich beantwortet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach\nThomas von Aquin (STh III, 41,1) kann eine Versuchung, \u201edie von au\u00dfen durch den\nTeufel kommt, [\u2026] ohne S\u00fcnde sein, eine Versuchung, die aus dem Fleisch\naufsteigt, kann dagegen nicht ohne S\u00fcnde sein. Deshalb lie\u00df sich Christus, der\nohne S\u00fcnde war, nur durch den Teufel versuchen, nicht aber durch das Fleisch.\u201c<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a>\nEine andere Auffassung vertritt Johannes Duns Scotus, der von seinem\nvoluntaristischen Ansatz her alle sinnlichen Regungen als indifferent ansieht,\ndie nur durch den freien Willen des Menschen in die falsche, sprich s\u00fcndhafte\nRichtung gelenkt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Was\ndie \u201eAu\u00dfenseite\u201c der Versuchung angeht, so hat Joseph Ratzinger schon vor\nJahren darauf hingewiesen, dass die spezifische Eigenart des D\u00e4monischen \u201eseine\nAntlitzlosigkeit, seine Anonymit\u00e4t\u201c ist. \u201eWenn man fragt, ob der Teufel Person\nsei, so m\u00fc\u00dfte man richtigerweise wohl antworten, er sei die Un-Person, die\nZersetzung, der Zerfall des Personseins und darum ist es ihm eigent\u00fcmlich, da\u00df\ner ohne Gesicht auftritt, da\u00df die Unkenntlichkeit seine eigentliche St\u00e4rke\nist.\u201c<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>Dieses\nPh\u00e4nomen des B\u00f6sen, das nicht selten unerkl\u00e4rlich ist, hat seine bleibende\nWirkung und wird biblisch durch die Gestalt des Teufels zum Ausdruck gebracht.\nDiese Verbindung von der von au\u00dfen auf den Menschen zukommenden und der im\nMenschen aufsteigenden Versuchung wird in der Auseinandersetzung mit dem\nVerst\u00e4ndnis der S\u00fcndenfallgeschichte und der Erbs\u00fcndenlehre n\u00e4her entfaltet. In\ndiesem Zusammenhang spielt der Begriff der Konkupiszenz (Begierde) nach wie vor\neine Rolle, der allerdings weiter zu fassen ist als im Kontext der\nErbs\u00fcndenlehre, in der er besonders auf die Frage der Sexualit\u00e4t konzentriert\nist. \u201eDer Begriff bezeichnet weit gefasst, die nat\u00fcrliche Triebstruktur, das\nBegehren und die sinnliche Begierde des Menschen, der sich auf Gott hin\nausrichten oder aber in S\u00fcnde verstricken kann.\u201c<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a>\nBiblischer Hintergrund sind die Feststellungen des Apostels Paulus, dass er\ntut, was er nicht will, sondern hasst (vgl. R\u00f6m 7,15f). \u201eDann aber bin nicht\nmehr ich es, der dies bewirkt, sondern die in mir wohnende S\u00fcnde.\u201c (R\u00f6m 7,17)\nIn der Tradition haben sich unterschiedliche Auffassungen der Konkupiszenz auf\nr\u00f6misch-katholischer und protestantischer Seite im Anschluss an Luther\nherausgebildet, die heute eher als unterschiedliche Akzentsetzungen verstanden\nwerden.<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a>\nEin Ergebnis des \u00f6kumenischen Gespr\u00e4chs war, \u201edass Unterschiede zum Teil durch\nje andere Begriffsbestimmungen und Denkhorizonte bedingt sind und die\ngemeinsame Rede von der Konkupiszenz an die radikale Verlorenheit einer\nunerl\u00f6sten Menschheit erinnern muss (Gemeinsame Erkl\u00e4rung zur\nRechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche\n28-30). Gleichwohl haben konfessionsspezifische Akzente ihren Platz. So sch\u00e4tzt\ndie protestantische Theologie aufgrund des Axioms <em>simul iustus et peccator<\/em> die F\u00e4higkeit des gerechtfertigten\nMenschen im Blick auf sein Heil skeptischer ein als die r\u00f6m.\u2013kath. Tradition,\nin der man die Kraft von Gnade und erl\u00f6ster Natur aufgrund der Taufe sehr stark\nbetont.\u201c<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\ndas Verst\u00e4ndnis dessen, was Versuchung ist bleibt festzuhalten, dass die\nBegierde (Konkupiszenz) zum Ausdruck bringt, dass der Mensch obwohl\ngerechtfertigt durch die Erl\u00f6sung in Jesus Christus, B\u00f6ses tun kann und auch\ntut. Beide Aspekte, das von au\u00dfen Kommende, das in der Tradition mit\nTeufel\/Satan n\u00e4her gekennzeichnet wird, wie das, was in ihm selbst ist, kommt\nin diesem Begriff der Konkupiszenz zum Tragen. Dabei ist feste\nGlaubens\u00fcberzeugung, dass der Mensch in der Kraft der Gnade, die Versuchung\n\u00fcberwinden und das Gute tun kann. Wie die Einzelnen mit der Versuchung umgehen,\nist ihnen in ihrer Freiheit anheimgestellt. Die Spannung, die in der\nreformatorischen Begrifflichkeit des <em>simul\niustus et peccator <\/em>formuliert ist, erweist sich als best\u00e4ndige\nHerausforderung. Was aber beim Thema Versuchung bleibt und sich in den\nverschiedenen theologischen Ausdrucks- und Sichtweisen \u00e4u\u00dfert ist, dass es eine\nDimension gibt, die die pers\u00f6nliche Verantwortung in keiner Weise mindert und\nnicht als pers\u00f6nliche Entschuldigung gelten darf, die aber doch da ist. Joseph\nRatzinger spricht von der Macht des \u201aZwischen\u2018, der der Mensch begegnet. Und er\nsieht in ihr mit dem Epheserbrief die Erfahrung, dass \u201ewir nicht gegen Menschen\nvon Fleisch und Blut zu k\u00e4mpfen, sondern gegen M\u00e4chte und Gewalten\u201c (Eph 6,12)\nzu k\u00e4mpfen haben.<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a>\nD.h. es gibt eine Dimension des B\u00f6sen, die wir nicht einfach erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber\nso sehr die M\u00f6glichkeit zum Falschen und zum S\u00fcndigen bestehen bleibt und\ntats\u00e4chlich durch Menschen B\u00f6ses geschieht, so sehr ist auch darauf zu verweisen,\ndass viele durch ihr Leben und ihr Glaubenszeugnis den Versuchungen nicht\nnachgeben und Gutes tun. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Ethische Aspekte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um\ndie Charakterisierung der Versuchung von Peter Fonk von \u201eeiner umfassenden und\nexistentiellen Erfahrung\u201c aufzunehmen, k\u00f6nnen nur exemplarisch einige Bereiche\nangesprochen werden. Dabei ist im Blick zu halten, dass die Versuchung\nwertneutral ist, sie ist nicht von sich aus gut oder b\u00f6se, sondern die Art und\nWeise, wie damit umgegangen wird, entscheidet \u00fcber die sittliche Bewertung.\nHilfreich zum Verst\u00e4ndnis kann hier eine Kennzeichnung der S\u00fcnde sein, wie sie\nMichael Sievernich gegeben hat: \u201eS\u00fcnde ist Verweigerung der Gott und den\nanderen geschuldeten Liebe, sie ist Weigerung Verantwortung zu \u00fcbernehmen f\u00fcr\ndas Verh\u00e4ltnis zu Gott, zum anderen, zu sich selbst.\u201c<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a>\nDie Weigerung, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, geh\u00f6rte immer zu den Versuchungen.\nSie gilt auf unterschiedlichen Feldern und nicht selten greifen hier\nAnforderungen an den Einzelnen wie die Allgemeinheit betreffende Gesichtspunkte\nineinander. Dies soll anhand von Beispielen aus der Umwelt-, Beziehungs- und\nder politischen Ethik n\u00e4her erl\u00e4utert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was\nkann ich alleine schon ausrichten, denkt manch einer z.B. im Blick auf den\nKlimawandel. Das kann Ver\u00e4nderungen in der Art der Mobilit\u00e4t bedeuten, die\nnat\u00fcrlich unterschiedlich sind. In Deutschland ist die Diskussion dar\u00fcber\nheftig entbrannt, in welchen St\u00e4dten Fahrverbote f\u00fcr Autos mit zu hohem\nStickstoffaussto\u00df notwendig sind. Wichtig ist, dass sich jeder und jeder selbst\ndamit auseinandersetzt, was er zur Verbesserung des Klimas beitragen kann. Dies\nscheint wenig zu sein verglichen mit den Anforderungen an andere, gleichwohl\nenthebt es einen nicht der eigenen Verantwortung. Notwendige institutionelle\nVorgaben k\u00f6nnen nur greifen, wenn m\u00f6glichst viele bereit sind, sie umzusetzen.\nOder anders gewendet, politische Verantwortungstr\u00e4ger in demokratischen Staaten\nreagieren meist dann, wenn sie auch eine entsprechende Unterst\u00fctzung in der\nBev\u00f6lkerung haben. Es sollte ebenfalls nicht \u00fcbergangen werden, dass die \u00f6ffentlich\nbekundete Bereitschaft zu Reduzierungen im eigenen Energiebereich (z.B.\nHeizung, K\u00fchlschrank) und die tats\u00e4chlich ge\u00fcbte Praxis nicht selten\nauseinandergehen. \u201eDie Stimme des Egoismus\u201c (Fonk), vielleicht aber auch\nTr\u00e4gheit (acedia), um eine klassische Wurzels\u00fcnde zu nennen, k\u00f6nnen hier die\nUrsache sein. Wie auch in anderen Feldern der Ethik gilt f\u00fcr den Einzelnen im\nUmweltbereich, dass gerade kleine Schritte hier auf Dauer eine gr\u00f6\u00dfere\nEntwicklung entfalten. Zu denken ist u.a. an die Reduktion des Konsums von\nTierprodukten, die Auswirkungen auf die Tierhaltung und die Aussto\u00dfung von\nTreibgasen zur Folge hat. Auch wenn gerade im Feld der \u00d6kologie und der Umwelt\ndie Rahmenbedingungen, in denen sie stattfinden, nicht au\u00dfer Acht gelassen\nwerden k\u00f6nnen, so ist doch das Engagement Einzelner und der Einsatz f\u00fcr diese\nThematik von aktiven Gruppierungen hier unabdingbar notwendig.<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a>\nHier gibt es in der Kirche gute Beispiele von Jungendbildungsst\u00e4tten, Kl\u00f6stern\nund Gemeinden, die ihre Verantwortung wahrnehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nanderer Bereich, in dem die Versuchung nicht gering ist, sich seiner\nVerantwortung zu entziehen, zeigt sich im Umgang mit den Kindern nach\nScheidungen. Die Zahl der Alleinerziehenden (in Deutschland 2017 1,44 Millionen\nFrauen, 182 000 M\u00e4nner) steigt nach wie vor. Nur jeder vierte\nunterhaltspflichtige Mann zahlt nach den statistischen Angaben voll den\ngeforderten Betrag.<a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a>\nAls ein Grund wird u.a. die damit verbundene Machtaus\u00fcbung genannt, hier als\nletztes Mittel dem Partner, oder meist der Partnerin gegen\u00fcber. Die Versuchung,\nsich seiner Verantwortung den Kindern gegen\u00fcber zu entziehen, was sicher\nunterschiedliche Gr\u00fcnde hat, hat oft Auswirkungen auf die Armutsgef\u00e4hrdung der\nFrau und der Kinder. Damit verbunden mindern sie die Chancen der Kinder f\u00fcr\nihre Ausbildung und die \u00fcber das Schulische hinausgehenden Formen der Teilhabe\nund der Kommunikation. Aus ethischer Sicht wird man noch einen Punkt ansprechen\nm\u00fcssen, der bei den Untersuchungen und Darstellungen in diesem Zusammenhang\nnicht erw\u00e4hnt wird. Meistens stammen die Kinder von Alleinerziehenden aus\nfesten Partnerschaften bzw. Ehen. Die damit verbundene Zusage der gegenseitigen\nTreue ist nicht eingehalten worden, um es moraltheologisch zu sagen. Klassisch\nhandelt es sich daher um einen Versto\u00df gegen das Gebot \u201eDu sollt nicht die Ehe\nbrechen.\u201c Obwohl die Beziehung auseinandergegangen ist, bleibt die\nVerantwortung f\u00fcreinander in gewissem Umfang bestehen. Die Versuchung, sich\ndieser Verantwortung zu entziehen, betrifft sowohl die (Ehe)Frau wie den\n(Ehe)Mann, aber ebenso und in der Folge die aus dieser Beziehung\nhervorgegangenen Kinder. Die Mehrdimensionalit\u00e4t der Versuchung wird manchmal\ndadurch deutlich, dass die einst vorhandene Liebe in Rachegef\u00fchle umschl\u00e4gt,\ndie nicht selten auf dem R\u00fccken der Kinder ausgetragen werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf\nandere Versuchungen weist Hermann K\u00fcgler hin, auf \u201eVersuchungen, beim Guten\nstehen zu bleiben, statt das Bessere zu w\u00e4hlen.\u201c<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a>\nAls ein Beispiel nennt er einen Manager, der nach seiner beruflichen T\u00e4tigkeit\nsich entschieden hat, nicht mit seiner Frau mit dem Wohnmobil durch Europa zu\ntouren, sondern sich ehrenamtlich in einem Arbeitslosenprojekt zu engagieren.\nEr ist sich aber nicht sicher, ob das das Richtige sei, und er sich nicht viel\nmehr Zeit f\u00fcr seine erwachsenen Kinder und Enkel nehmen solle. Bei der\nBeantwortung dieser Frage gibt es nicht <em>die\n<\/em>L\u00f6sung, sondern ist eine Abw\u00e4gung sinnvoll und notwendig. Dabei ist zu\nfragen, was mehr Gutes hervorbringt und zu einer gr\u00f6\u00dferen Zufriedenheit f\u00fchrt.\nDann gilt es, die bereits genannte Verantwortung Gott, dem N\u00e4chsten und sich\nselbst gegen\u00fcber im Blick zu halten. Die Balance ist immer wieder neu zu suchen\nund herzustellen, da sie nicht einfach vorgegeben, sondern situationsabh\u00e4ngig\nist.<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit\nist die Versuchung zur Reduktion von komplexen Zusammenh\u00e4ngen einfache L\u00f6sungen\nanzubieten, besonders gro\u00df. Mit ihr geht oft die Abwertung anderer einher. Das\ngilt f\u00fcr die Folgen der Globalisierung, die immer \u00f6fter eine nationale\nAbschottung hervorruft. Folgen sind Fremdenfeindlichkeit, Radikalisierung der Sprache,\nnicht selten gepaart anstelle von Fakten Emotionen zu erzeugen. Sich dieser\nVersuchung zu widersetzen, Gemeinsamkeiten statt Spaltungen zu suchen,\nVereinfachungen und pauschale Zuweisungen abzuwehren, bedarf gro\u00dfer\nKraftanstrengung. Dass antisemitische \u00c4u\u00dferungen und Verhaltensweisen immer\nh\u00e4ufiger vorkommen, ist zutiefst traurig. Differenzierung im Blick auf andere\nReligionen und Kulturen tut Not. Das hei\u00dft nicht, die kritischen Punkte\nauszusparen, wenn z.B. Misstrauen, Angst und Feindseligkeit gegen andere\npraktiziert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nBeispiele zeigen, wie vielf\u00e4ltig Versuchungen sind und wie unterschiedlich\ndamit umzugehen ist. Von Herausforderungen, die ein klares Ja oder Nein\nfordern, das betrifft klassisch z.B. die drei Kapitals\u00fcnden \u2013 Mord, Ehebruch,\nGlaubensabfall \u2013 \u00fcber den Umgang mit Umwelt, Natur und Sch\u00f6pfung, bis hin zu\nden zwischenmenschlichen Beziehungen ist es nicht immer einfach, das Richtige\nzu tun. Das hei\u00dft aber ebenfalls bei allen Graut\u00f6nen in der Bewertung, dass es\nhier eine Verantwortung gibt, der man sich nicht entziehen kann. Sicher sind in\nvielen Feldern, die institutionellen Rahmenbedingungen und die zeitlichen\nUmst\u00e4nde elementar, aber wie man sich dazu verh\u00e4lt, das ist die Verantwortung\ndes Einzelnen. Um dieser gerecht zu werden, sind in der Geschichte der Kirche\nverschiedene geistliche Impulse entwickelt worden. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Geistliche Impulse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ausgangspunkt\nist hier das Wort Jesu aus der Leidensgeschichte: \u201eWacht und betet, damit ihr\nnicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist\nschwach.\u201c (Mk 14,38 par) Jesus fand die J\u00fcnger schlafend vor, als er abseits\nvon ihnen zum Vater gebetet hatte. Schlafen wird hier im Sinne einer Form der\nTeilnahmslosigkeit verstanden und charakterisiert auch eine Art der\nKommunikationsverweigerung in einer Situation h\u00f6chster Anspannung, wie sie die\nGefangennahme darstellt. Wenn Jesus hier zum Wachen aufruft, dann ist dies\nzuerst als \u201eHaltung der gesteigerten Aufmerksamkeit und Bereitschaft f\u00fcr das\nKommen des Herrn\u201c zu verstehen. \u201eWachsamkeit wird realisiert durch betende\nHinwendung zu Gott und dem\u00fctige Hingabe an ihn in der Nachfolge Jesu.\u201c<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a>\nDie Wachsamkeit als Gegensatz zur Teilnahmslosigkeit ist eine Form, sich der\ngenannten Verweigerung zu entziehen und Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Wachsamkeit\nhei\u00dft gerade nicht wegschauen, sondern offen sein f\u00fcr den Anruf Gottes, der\nsich aus der jeweiligen Situation ergibt, und sich diesem Anruf stellen. Zur\nWachsamkeit geh\u00f6rt sicher f\u00fcr Einzelne auf unterschiedliche Weise, sich der\nKomplexit\u00e4t des Lebens auszusetzen. Hier nicht zu \u00e4ngstlich zu sein, ist eine\nGabe, die aus dem Gebet entspringen kann. In keinem der Beitr\u00e4ge zur Versuchung\nfehlt der Hinweis auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Gebets. Wachsamkeit\nist von daher eine Tugend, die hilft, offen f\u00fcr das Wort Gottes und seinen\nAnspruch zu sein.<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a>\nZur Wachsamkeit geh\u00f6rt auch, der Versuchung zu widerstehen, wie sie in der\nS\u00fcndenfallgeschichte (Gen 3) zum Ausdruck kommt, n\u00e4mlich so \u201eklug\u201c sein zu\nwollen wie Gott. Diese Form der Klugheit hat nicht nur Auswirkungen auf das\nVerh\u00e4ltnis des Menschen zu Gott, sondern auch zu seinen Mitmenschen. Die\nVersuchung besteht gerade darin, auf Grund seines Seins wie Gott, seine St\u00e4rken\nzu missbrauchen, und andere \u201eMenschen nur noch als Ressourcen f\u00fcr seine Projekte\nin den Blick zu nehmen,\u201c<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a>\nund Gott gegen\u00fcber hochm\u00fctig zu werden. Nicht umsonst hat die Tradition seit\nGregor dem Gro\u00dfen (+604) den Hochmut (superbia) an die Spitze der zu\nkritisierenden Fehlhaltungen des Menschen gestellt. Demgegen\u00fcber ist die Demut\ndie hier zu realisierende Grundhaltung. \u201eNach Bernhard von Clairvaux [+1153]\nist den Versuchungen neben Gebet und Fasten vor allem durch <em>humilitas<\/em> [Demut] zu begegnen[\u2026], die\nsich in den vier Tugenden <em>(fortitudo,\nprudentia, modestia, iustitia<\/em>) konkretisiert (Bernhard von Clairvaux VII,\n682.684).\u201c<a href=\"#_ftn18\">[18]<\/a>\nDie vier Kardinaltugenden, die Bernhard von Clairvaux hier ins Spiel bringt,\nzeigen, dass sittliches Handeln und geistliches Leben eng miteinander verkn\u00fcpft\nsind. Unschwer k\u00f6nnen die vier Kardinaltugenden mit den genannten Versuchungen\nin Verbindung gebracht werden. Dabei setzt das Verst\u00e4ndnis von Klugheit,\nGerechtigkeit, Tapferkeit und Ma\u00df im christlichen Verst\u00e4ndnis voraus, dass sie\nunter der Gnade Gottes stehen, d.h., dass der Mensch sie nicht aus sich selbst\nheraus verwirklichen kann. Von daher steht die Klugheit im Gegensatz zum\nVerst\u00e4ndnis der Klugheit in der S\u00fcndenfallgeschichte. Der Mensch ist sich hier\nbewusst, dass er nicht wie Gott ist, sondern von ihm gerettet wurde und\nzugleich als S\u00fcnder seiner Barmherzigkeit bleibend bedarf. Unter diesem\nVorzeichen kommt dabei der Klugheit unter allen Tugenden eine Sonderstellung\nzu, \u201eals sie von den spezifischen Handlungen aller moralischen Tugenden\ngefordert ist, w\u00e4hrend diese ohne sie unvollkommen bleiben.\u201c<a href=\"#_ftn19\">[19]<\/a>\nSie ist deshalb im sittlichen Handeln immer miteinzubringen. Die Kardinaltugend\ndes Ma\u00dfes, die in engem Zusammenhang mit der Besonnenheit steht, k\u00f6nnte beim\nangesprochenen eigenen Beitrag zum Klimawandel dazu f\u00fchren, z.B.\nEssgewohnheiten zu ver\u00e4ndern, bei Anschaffungen die Frage des Stromverbrauchs\nmit zu ber\u00fccksichtigen und die eigene Mobilit\u00e4t zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dass es hier\nlebensgeschichtlich bedingt Unterschiede und ebenfalls unterschiedliche\nVerantwortlichkeiten gibt, d\u00fcrfte einleuchten. Die notwendige Eigenverantwortung\nentlastet umgekehrt nicht die verantwortlichen Instanzen in Staat und\nGesellschaft, ihren notwendigen Beitrag zu leisten. Aus geistlicher Sicht darf\nhier auch an die Anbetung erinnert werden, in der der Mensch sich besonders\nseines Gesch\u00f6pf-Seins bewusst wird. \u201e<em>Anbetung\nist Anerkenntnis Gottes als Gott<\/em>, der eigenen Person aber als von ihm\ngeschaffen.\u201c<a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a>\nIm Bewusstsein um die eigene Gesch\u00f6pflichkeit, die sich in der Anbetung\nkonkretisiert, kann zugleich die Haltung der Demut einge\u00fcbt werden. Der Mensch\nwei\u00df, dass er sein Leben sich nicht selbst gegeben, sondern erhalten hat. Dies\nmindert die Versuchung, sein zu wollen \u201ewie Gott\u201c und andere zu beherrschen.\nAber es schlie\u00dft ein, Verantwortung f\u00fcr andere je nach Aufgabe und\nLebenssituation zu \u00fcbernehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nrichtige Ma\u00df, die richtige Mitte zu finden, ist an vielen Stellen unseres\nLebens von Bedeutung. Sie gilt ebenfalls f\u00fcr mitmenschliche Beziehungen,\nPartnerschaften und die Ehe. Denn nicht selten ist eine zu hohe\nErwartungshaltung dem oder der anderen gegen\u00fcber ein Grund, dass Beziehungen in\ndie Krise geraten und verschiedentlich scheitern. Die Versuchung, sich zu\n\u201er\u00e4chen\u201c ist dann gro\u00df und wird nicht selten auf dem R\u00fccken der Kinder\nausgetragen. Hier ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, dem und der anderen und\nden Kindern das ihnen Zustehende zu geben. Dabei geht es nicht nur, sondern\nauch um die angemessene finanzielle Ausstattung, die im deutschsprachigen Raum\ngesetzlich geregelt ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich\nist noch auf die Grundhaltung der Tapferkeit oder Zivilcourage hinzuweisen, die\nimmer dann notwendig ist, wenn die oben genannten Beispiele von\nFremdenfeindlichkeit und Rassismus \u201egepredigt\u201c werden. Zu diesem Engagement\ngeh\u00f6rt es ebenfalls, die staatlichen Institutionen wie Justiz und Polizei in\nihrem Bem\u00fchen zu unterst\u00fctzen. Gerade hier zeigt sich, wie die Haltung der\nTapferkeit und Zivilcourage verbunden ist mit der biblisch gebotenen\nWachsamkeit. Erinnert sei, dass die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR\nihren Ausgangspunkt in Friedensgebeten in evangelischen Kirchen hatte. Der\nGlaube an die Macht des Gebetes \u201eunter Seufzen und Flehen\u201c<a href=\"#_ftn21\">[21]<\/a>\ntr\u00e4gt zu diesem geistlichen Geschehen mit ethischen Konsequenzen bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Versuchungen\ntreten f\u00fcr den Einzelnen in vielf\u00e4ltiger Gestalt auf. Manchmal sind sie klar\nund von den Alternativen eindeutig. Manchmal erweisen sich die Situationen als\nkomplexer. Das gilt nicht nur f\u00fcr einzelne kategoriale ethische Entscheidungen,\nsondern vor allem f\u00fcr das Leben pr\u00e4gende Entscheidungen bis hin zu der Frage,\nwelche Lebensform am besten dem Willen Gottes entspricht.&nbsp; In der geistlichen Tradition wird hier die\n\u201eUnterscheidung der Geister\u201c im Anschluss an Ignatius von Loyola als\nHilfestellung eingebracht.<a href=\"#_ftn22\">[22]<\/a>\nEs geht vor allem um das Finden des Willens Gottes f\u00fcr die eigene\nLebenssituation. Dabei gilt es neben dem vern\u00fcnftigen Abw\u00e4gen auf die Gef\u00fchle\nund Regungen des Herzens zu achten: Freude, Friede, Angst oder Trauer. Im\nErfahren dieser verschiedenen Gef\u00fchle und Stimmen, die sich mit dem H\u00f6ren auf\nden Ruf Gottes oder beim Betrachten einer Bibelstelle einstellen, ist sensibel\nzu sein, welche dieser Gef\u00fchle von Freude, Friede und Zuversicht authentisch\nund von Gott eingegeben sind, und welche von Gott wegf\u00fchren. Fragen, wo liegen\nmeine St\u00e4rken und Schw\u00e4chen k\u00f6nnen dabei helfen, eine realistische Sicht auf\ndas eigene Leben zu gewinnen. Dies ist eine bleibende Aufgabe. Einmal\ngetroffene, zentrale Entscheidungen im Leben gilt es immer wieder neu zu\naktualisieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Dies\ngilt besonders f\u00fcr auf Dauer angelegte Lebensformen wie die Ehe oder die Ehelosigkeit\nbei Priestern und Ordensleuten. Nicht untersch\u00e4tzt werden sollte die ekklesiale\nForm der Entscheidungsfindung, die sich in synodalen Prozessen zeigt und die\nEigenverantwortung nicht mindert. Die gemeinschaftliche Entscheidungsfindung\nist nicht nur individualethisch, sondern ebenfalls in sozialethischen\nZusammenh\u00e4ngen von Bedeutung.<a href=\"#_ftn23\">[23]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Versuchung\nerweist sich als eine vielgestaltige existentielle Erfahrung, die theologisch\nvon der Spannung von dem durch das B\u00f6se Infiziert-Sein des Menschen und seiner\neigenen Verantwortung und Schuld gepr\u00e4gt ist. Diese Spannung spiegelt sich in\nder reformatorischen Formulierung des Menschen als Gerechter und S\u00fcnder\nzugleich wider, wobei die katholische Tradition st\u00e4rker den Aspekt betont, dass\ndie Versuchung von sich aus nicht s\u00fcndhaft ist. Es zeigt sich, dass es zum\neinen die klare Unterscheidung gibt, wo man es unterl\u00e4sst, das als gut Erkannte\nzu tun und sich einer notwendigen Verantwortung verweigert. Zum andern erweisen\nsich aber vielen Lebenssituationen als sehr vielgestaltig und komplex. Hier ist\nes notwendig, mit Hilfe der \u201eUnterscheidung der Geister\u201c \u2013 nicht selten auch\ndurch Unterst\u00fctzung anderer \u2013 das Gute und Richtige zu finden und auf Dauer hin\ndurchzuhalten. Dieser bleibenden Herausforderung kann und darf sich der Mensch\nim Vertrauen auf die Zusage Gottes, dass er bei uns sein wird bis zum Ende der\nWelt, stellen (vgl. Mt 28,20).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nota o Autorze<\/strong>: Herbert Schl\u00f6gel urodzony w 1949 roku w niemieckiej\nNorymberdze. Po wst\u0105pieniu do dominikan\u00f3w studiowa\u0142 teologi\u0119 i filozofi\u0119 w\nAlbertus Magnus Academy (Dominican Monastery St. Albert) w Bornheim-Walberberg.\nW 1974 r. otrzyma\u0142 \u015bwi\u0119cenia prezbiteratu. Po uzyskaniu doktoratu z teologii w\n1981 r. pracowa\u0142 w Sekretariacie Konferencji Episkopatu Niemiec gdzie by\u0142\nsekretarzem Komisji Wiary. W roku otrzyma\u0142 habilitacj\u0119 na Wydziale Teologii\nMoralnej w W\u00fcrzburgu. W latach 1994\u20132015 by\u0142 profesorem teologii moralnej na\nKatolickim Wydziale Teologicznym Uniwersytetu w Ratyzbonie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bibliografia:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dirscherl\nE., <em>Konkupiszenz<\/em>, w: <em>Neues Lexikon\nder katholischen Dogmatik <\/em>(2012), s.&nbsp;\n411-412.<\/p>\n\n\n\n<p>Eckey\nW., <em>Das Markusevangelium. Orientierung am\nWeg Jesu. Ein Kommentar<\/em>, Neukirchen-Vluyn 1998.<\/p>\n\n\n\n<p>Ernst S., <em>Versuchung<\/em>, in:\nLMA VIII (1997), s. 1586-1587.<\/p>\n\n\n\n<p>Fonk P., <em>Versuchung\nII. Theologisch-ethisch<\/em>, in: LThK <sup>3<\/sup>10 (2001), s. 738\/739.<\/p>\n\n\n\n<p>Fraling\nB., <em>Vermittlung und Unmittelbarkeit.\nBeitr\u00e4ge zu einer existentialen Ethik<\/em>, Freiburg i.Br. 1994.<\/p>\n\n\n\n<p>Hartmann\nW., <em>Existentielle Verantwortungsethik.\nEine moraltheologische Denkform als Ansatz in den theologisch-ethischen\nEntw\u00fcrfen von Karl Rahner und Dietrich Bonhoeffer<\/em>, M\u00fcnster 2005.<\/p>\n\n\n\n<p>Heimbach-Steins\nM., <em>Unterscheidung der Geister \u2013\nStrukturmoment christlicher Sozialethik. Dargestellt am Werk Madeleine Delbr\u00eals<\/em>,\nM\u00fcnster 1994.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6rmann\nK.<em>,\nVersuchung<\/em>, in: LChM (1976), s. 1664-1669.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcgler\nH., <em>Versuchungen widerstehen?,<\/em>\nW\u00fcrzburg 2008.<\/p>\n\n\n\n<p>Lintner\nM.M., <em>Der Mensch und das liebe Vieh.\nEthische Fragen im Umgang mit Tieren, <\/em>Innsbruck-Wien 2017.<\/p>\n\n\n\n<p>Merkl\nA., <em>\u201eSi vis pacem para virtutes<\/em>.\u201d <em>Ein tugendethischer Beitrag zu einem Ethos\nder Friedfertigkeit<\/em>, M\u00fcnster 2015.<\/p>\n\n\n\n<p>Pesch\nO.H., <em>Katholische Dogmatik aus\n\u00f6kumenischer Erfahrung<\/em>, Bd.1\/2. Ostfildern 2008.<\/p>\n\n\n\n<p>Ratzinger\nJ., <em>Abschied vom Teufel?<\/em>, w: Ders., <em>Dogma und Verk\u00fcndigung<\/em>, M\u00fcnchen 1973, s.\n225-234.<\/p>\n\n\n\n<p>Rosenberger\nM.<em>,\nFrei zu leben. Allgemeine Moraltheologie<\/em>, M\u00fcnster 2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlosser\nM., <em>Erhebung des Herzens. Theologie des\nGebetes<\/em>, Sankt Ottilien 2015.<\/p>\n\n\n\n<p>Schneider\nM., <em>Gottes Utopia. Anst\u00f6\u00dfe zur Nachfolge<\/em>, W\u00fcrzburg 1989.<\/p>\n\n\n\n<p>Schneider\nM., <em>Theologie des Gebetes<\/em>, W\u00fcrzburg\n2015.<\/p>\n\n\n\n<p>Schockenhoff\nE., <em>Grundlegung der Ethik. Ein\ntheologischer Entwurf<\/em>, Freiburg i.Br. <sup>2<\/sup>2014.<\/p>\n\n\n\n<p>Sievernich\nM., <em>Freiheit und Verantwortung. Ethische\nund theologische Perspektiven<\/em>, w: Josef<\/p>\n\n\n\n<p>Eisenburg\n(Red.), <em>Die Freiheit des Menschen,<\/em>\nRegensburg 1998, s. 102-126.<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00f6ding\nT.,(Red.), <em>F\u00fchre uns nicht in Versuchung.\nDas Vaterunser in der Diskussion<\/em>, Freiburg i.Br. 2018. <\/p>\n\n\n\n<p>Steiger\nJ.A., <em>Versuchung III.\nKirchengeschichtlich<\/em>, w: <em>TRE 35<\/em>\n(2003), s. 52-64. <br>\nVirt G.<em>, Wachsamkeit<\/em>, w: LThK <sup>3<\/sup>10 (2001), s. 916.<\/p>\n\n\n\n<p>Werbick\nJ., <em>Vater unser. Theologische\nMeditationen zur Einf\u00fchrung ins Christsein<\/em>, Freiburg i.Br. 2011.<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Vgl. Thomas S\u00f6ding\n(Hg.), <em>F\u00fchre uns nicht in Versuchung. Das\nVaterunser in der Diskussion<\/em>, Freiburg i.Br. 2018. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a>&nbsp; Die Kennzeichnungen moraltheologisch und\ntheologisch-ethisch werden heute meist synonym verwand. F\u00fcr die Gliederung\nerweist es sich hier als sinnvoll, eine Unterscheidung von theologisch und\nethisch vorzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Peter Fonk, <em>Versuchung\nII. Theologisch-ethisch<\/em>, in: LThK <sup>3<\/sup>10 (2001), s. 738\/739.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Karl H\u00f6rmann<em>, Versuchung<\/em>,\nin: LChM (1976), s. 1664-1669, hier 1665.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Stephan\nErnst, <em>Versuchung<\/em>, in: LMA VIII (1997), s. 1586-1587, hier 1586.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Joseph\nRatzinger, <em>Abschied vom Teufel?<\/em>, in: Ders.,\n<em>Dogma und Verk\u00fcndigung<\/em>, M\u00fcnchen 1973,\ns. 225-234, hier s. 233\/234.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Erwin Dirscherl, <em>Konkupiszenz<\/em>, in: Neues Lexikon der\nkatholischen Dogmatik (2012), s. 411\/412, hier s. 411.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Vgl. Otto Hermann Pesch,\n<em>Katholische Dogmatik aus \u00f6kumenischer\nErfahrung<\/em>, Bd.1\/2. Ostfildern 2008, s. 31-36; 53-60.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Dirscherl,\n<em>Konkupiszenz<\/em><em>,<\/em> s. 412.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Vgl.\nRatzinger, <em>Abschied vom Teufel<\/em><em>?,<\/em>\n(s. Anm. 6), s. 233.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Michael Sievernich, <em>Freiheit und Verantwortung. Ethische und\ntheologische Perspektiven<\/em>, in: Josef Eisenburg, (Hg.), <em>Die Freiheit des Menschen,<\/em> Regensburg 1998, s. 102-126, hier s. 117.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Vgl.\nMartin M. Lintner, <em>Der Mensch und das\nliebe Vieh. Ethische Fragen im Umgang mit Tieren, <\/em>Innsbruck-Wien 2017, s. 204-222,\nhier s. 220: \u201eIn Bezug auf den Fleischkonsum muss sich ein ethisch vertretbares\nKonsumverhalten in eine dreifache Richtung entwickeln: den Fleischkonsum zu\nreduzieren, einen angemessenen Preis f\u00fcr das Fleisch zu bezahlen und auf die\nQualit\u00e4t des Fleisches zu achten.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/viele-getrennt-lebende-vaeter-zahlen-keinen-unterhalt-15288366.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/viele-getrennt-lebende-vaeter-zahlen-keinen-unterhalt-15288366.html<\/a> vom 14.11.2017\n(abgerufen 06.10.2018).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> Hermann\nK\u00fcgler, <em>Versuchungen widerstehen?,<\/em>\nW\u00fcrzburg 2008, s. 39-46.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> Wilfried\nEckey, <em>Das Markusevangelium. Orientierung\nam Weg Jesu. Ein Kommentar<\/em>, Neukirchen-Vluyn 1998, s. 362.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> Vgl.\nAlexander\nMerkl, <em>\u201eSi vis pacem para virtutes<\/em>.\u201d <em>Ein tugendethischer Beitrag zu einem Ethos\nder Friedfertigkeit<\/em>, M\u00fcnster 2015, 293-296; G\u00fcnter Virt<em>, Wachsamkeit<\/em>, in: LThK <sup>3<\/sup>10 (2001), s. 916.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> J\u00fcrgen\nWerbick, <em>Vater unser. Theologische\nMeditationen zur Einf\u00fchrung ins Christsein<\/em>, Freiburg i.Br. 2011, s. 181.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> Joachim Anselm Steiger, <em>Versuchung III. Kirchengeschichtlich<\/em>, in: <em>TRE 35<\/em> (2003), s. 52-64, hier s. 54. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> Eberhard\nSchockenhoff, <em>Grundlegung der Ethik. Ein\ntheologischer Entwurf<\/em>, Freiburg i.Br. <sup>2<\/sup>2014, s. 140.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a> Marianne\nSchlosser, <em>Erhebung des Herzens.\nTheologie des Gebetes<\/em>, Sankt Ottilien 2015, s. 123.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a> Michael\nSchneider, <em>Theologie des Gebetes<\/em>,\nW\u00fcrzburg 2015, s. 271-275, hier s. 271.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref22\">[22]<\/a> Vgl. Michael Schneider, <em>Gottes Utopia.\nAnst\u00f6\u00dfe zur Nachfolge<\/em>, W\u00fcrzburg 1989, s. 92-96; siehe auch: Bernhard\nFraling, <em>Vermittlung und Unmittelbarkeit.\nBeitr\u00e4ge zu einer existentialen Ethik<\/em>, Freiburg i.Ue. 1994, 72-96; Wolfgang\nHartmann, <em>Existentielle\nVerantwortungsethik. Eine moraltheologische Denkform als Ansatz in den\ntheologisch-ethischen Entw\u00fcrfen von Karl Rahner und Dietrich Bonhoeffer<\/em>,\nM\u00fcnster 2005, s. 60-73; Michael Rosenberger<em>, Frei zu leben. Allgemeine\nMoraltheologie<\/em>, M\u00fcnster 2018, s. 312-323.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref23\">[23]<\/a> Darauf\nist Marianne Heimbach-Steins in Bezug auf Madeleine Delbr\u00eal n\u00e4her eingegangen: <em>Unterscheidung der Geister \u2013 Strukturmoment\nchristlicher Sozialethik. Dargestellt am Werk Madeleine Delbr\u00eals<\/em>, M\u00fcnster\n1994, s. 256-269.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"javascript:history.back()\">&lt;&lt;wstecz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>O. HERBERT SCHL\u00d6GEL OPUniversity of Regensburg, Germany DOI: 10.48224\/COM-205-2019-54 Abstract Temptation is an existential and basic human disposition, which defies human beings to act bad despite realizing what is good. Theologically and biblically this is connected with the evil, the devil, whom Joseph Ratzinger characterizes as the Un-Person. 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